Andacht

Da berühren sich Himmel und Erde

Andacht zum Lied: Wo Menschen sich vergessen

 

  1. Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu,
    da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
    da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.
  1. Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, und neu beginnen, ganz neu,
    da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
    da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.
  1. Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden, und neu beginnen, ganz neu,
    da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
    da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Text: Thomas Laubach
Melodie: Christoph Lehmann

Trotz Corona – Ein Stück Himmel auf Erden?!

Wo soll der denn sein?

– Die vielen Kranken und Tote auf der ganzen Welt.
– Überforderte Menschen, die in der medizinischen Versorgung ihren Dienst tun.
– Menschen in der Lebensmittelbranche arbeiten unter erschwerten Bedingungen, werden   beschimpft, wenn die Regale leer sind.
– Menschen beschimpfen sich gegenseitig, wenn der geforderte Sicherheitsabstand an der Kasse und sonst in der Öffentlichkeit nicht eingehalten wird, oder werden als hysterisch bezeichnet, wenn sie mehr Rücksichtnahme und Disziplin einfordern.
– Desinfektionsmittel und Schutzkleidung wird geklaut.
– Beerdigungen dürfen nur im engsten Familienkreis mit 10 Personen stattfinden, und das nur draußen, die Kapellen sind gesperrt.
– Gottesdienste fallen aus.
– Familien sind z.T. hilflos überfordert. Da muss die Kinderbetreuung organisiert werden, die Arbeit geht trotzdem weiter. Schularbeiten müssen am PC erledigt werden, dort brauchen die Kinder besonderes in den unteren Klassen große Unterstützung. Auch verfügt nicht jeder über die technischen Möglichkeiten, besonders mit mehreren Kindern.

 

Wo soll denn da ein Stück Himmel auf Erden sein?

Wenn ich doch den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen kann?

„Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu“.

 

So beginnt unser Lied.

Ja, Wege verlassen und neu beginnen, das müssen wir alle in diesen Tagen und Wochen.

Unsere Welt und unser Leben scheint wirklich auf dem Kopf zu stehen.
Soziale Kontakte sollen wir weitgehend unterlassen, Kitas und Schulen geschlossen, Freizeitaktivitäten sind nicht mehr möglich, selbst Gottesdienste sind in den Kirchen verboten, Geschäfte geschlossen, im Alleecenter eine bedrückende Atmosphäre, Ausgangssperre droht.

Wir müssen uns und unser Leben neu sortieren, ganz neu beginnen.
Neu beginnen, auch ungewöhnliche Wege einschlagen, das tun heute ganz viele Menschen, nicht nur hier bei uns in Deutschland.

Und genau da kann ich ihn erkennen oder spüren, den Himmel.

– Die Italiener haben es uns vorgemacht. Sie sind an die Fenster und auf die Balkone gegangen und singen. Für die Gemeinschaft, gegen die Angst trotzen sie dem Virus.
– Menschen hier in Deutschland klatschen abends für das medizinische Personal und ihren Einsatz.
– Oder 2 Musiker stellen sich vor ein Seniorenheim und machen Musik. Spielen ehrenamtlich für Menschen, die nun keinen Besuch empfangen dürfen, der manchmal der einzige Hoffnungsschimmer für sie am Tag oder in der Woche ist.

Da ist für mich der Himmel zu spüren, wo Menschen sich vergessen und mal von sich absehen können, um sich anderen zu verschenken.

Die augenblickliche schwierige und belastende Zeit kann auch ein Chance sein, unser Leben, unser Miteinander, unser Tun und Lassen einmal neu in den Blick zu nehmen. „Neu beginnen, ganz neu“ heißt es in dem Lied. Eigentlich sind bei uns in Remscheid zur Zeit die internationalen Wochen gegen Rassismus, genau wie in vielen anderen Städten. Diese Angebote fallen nun leider aus. Doch ist das wirklich so? Fallen diese Wochen wirklich aus? Ich empfinde das anders. So wie es in der Strophe heißt: „Wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden, und neu beginnen, ganz neu.“

Erleben wir nicht gerade das zur Zeit?

Da melden sich Menschen, die Hilfe brauchen, bei uns, über das Bürgertelefon der Stadt oder bei „Remscheid.love“. Menschen aus unterschiedlichen Stadtteilen, unterschiedlicher Nationalität und Religion, besonders Ältere rufen dort an und erbitten Hilfe.

Bei den gleichen Organisationen melden sich auch die Menschen, die helfen wollen, oft Jüngere. Auch sie kommen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, unterschiedlicher Nationalität und Religion.

Und dann gehen sie los, kaufen ein oder übernehmen Botengänge für Menschen, die sie nicht kennen. Mit denen sie sonst vielleicht niemals in Kontakt gekommen wären.

Mit denen sie vielleicht niemals etwas zu tun haben wollten. Aber sie machen es, ohne zu fragen für wen. Das ist auch ganz egal. Die Sache ist wichtig. Wir sitzen alle im selben Boot gegen das „Virus Corona“ und wir schaffen es nur gemeinsam.

Da wird alles trennende zur Nebensache und dann können wir erleben:

„Da berühren sich Himmel und Erde“.

Ich finde, da können wir etwas vom Himmel auf Erden spüren. Lasst uns weiter so machen, damit immer mehr Menschen etwas von diesem Himmel auf Erden spüren können.

Lasst uns erfinderisch sein, im gegenseitigen Abstand trotzdem uns nah zu kommen.

Dann überstehen wir diese Zeit und können vielleicht in der Zeit danach einen Gewinn aus dieser Ausnahmesituation ziehen.

Passt auf Euch und Eure Mitmenschen auf, dann „berühren sich Himmel und Erde“.

 

Eure Diakonin Andrea Fabris